Vortex Indicator — VI+ / VI−
Der 2010 von Etienne Botes und Douglas Siepman entwickelte Vortex-Indikator isoliert Trendwenden und orientiert sich dabei an Wirbelbewegungen in der Natur. Statt wie der ADX die Stärke einer Bewegung zu messen, stellt der Vortex zwei Komponenten direkt gegenüber – VI+ (bullischer Wirbel) und VI− (bärischer Wirbel) –, deren Kreuzungen den Moment markieren, in dem der dominierende Druck kippt. Er ist ein Werkzeug für das Timing von Umkehrungen und ergänzt Oszillatoren wie RSI oder KST, die Erschöpfung erfassen.
Definition und Formel
Der Vortex setzt die übliche True Range (TR) zu zwei „Vortex-Bewegungen“ (VM) ins Verhältnis, die aus den Differenzen aufeinanderfolgender Hochs und Tiefs berechnet werden:
VM− = |Tief(t) − Hoch(t−1)|
VI+ = Σ VM+ / Σ TR (über 14 Perioden)
VI− = Σ VM− / Σ TR (über 14 Perioden)
VI+ und VI− bewegen sich typischerweise zwischen 0,6 und 1,3. Ihre Summe bleibt bauartbedingt nahe 2,0 – nähern sich VI+ und VI− an, deutet das auf Konsolidierung hin, laufen sie auseinander, auf eine klare Richtungsbewegung.
Den Vortex lesen
Kreuzungen von VI+ und VI−
- VI+ kreuzt VI− von unten nach oben: Kaufsignal. Der Kaufdruck wird dominant. Idealerweise durch steigendes Volumen und einen ADX > 20 bestätigt.
- VI− kreuzt VI+ von unten nach oben: Verkaufssignal bzw. Ausstieg aus Long-Positionen. Der Verkaufsdruck dominiert.
- VI+ und VI− dicht beieinander (Abstand < 0,05): Konsolidierungsphase, den nächsten klaren Impuls abwarten.
- Zunehmender Abstand zwischen VI+ und VI−: der Trend verstärkt sich, das Richtungssignal gewinnt an Gewicht.
Bemerkenswerte Niveaus
- VI+ > 1,1: der Aufwärtstrend ist bereits gut etabliert. Bessere Einstiege bieten Rücksetzer als die ursprüngliche Kreuzung.
- VI− > 1,1: bestätigter Abwärtstrend. Ohne zusätzliches Umkehrsignal keine Long-Positionen eingehen.
- VI+ und VI− zwischen 0,85 und 1,05: Seitwärtsbewegung bzw. Unentschiedenheit. Der Vortex liefert keine verwertbare Richtungsinformation.
Wie Cash Scanner den Vortex nutzt
Der Vortex fließt über das binäre Signal vi_trend_up in den Score /100 ein:
- VI+ > VI− aktiviert
vi_trend_up = 1. Deutlicher Score-Bonus im Momentum-Modus, zählt zur „Konfluenz“ mit RSI, MACD und 20-Tage-Ausbruch. - Momentum-Modus: eine frische Kreuzung von VI+ über VI−, kombiniert mit einem RSI, der die überverkaufte Zone verlässt, und einem bullischen MACD, erzeugt eine starke Konfluenz (drei bis vier Signale) und bringt 5 bis 15 Punkte zusätzlich.
- Phoenix-Modus: Phoenix belohnt eher das Ende von Abwärtstrends – steigt VI+ nach längerer VI−-Dominanz wieder über VI−, ist das ein wertvolles Umkehrsignal, das RSI- und MACD-Divergenzen ergänzt.
- Wird als Abzeichen „Vortex↑“ auf den Chancen-Karten im Dashboard angezeigt.
Grenzen und typische Fehler
- Fehlsignale in engen Spannen: pendeln VI+ und VI− zwischen 0,9 und 1,1, haben wiederholte Kreuzungen keinen Prognosewert. Immer mit dem ADX filtern (> 20), um zu prüfen, ob überhaupt ein Trend vorliegt.
- Standardmäßig 14 Perioden: das Optimum für Swing-Trading. Eine Verkürzung auf 7 macht ihn sehr reaktionsschnell, aber verrauscht (nützlich im Daytrading). Eine Verlängerung auf 21 oder 28 macht ihn stabiler (Position-Trading).
- Der Vortex misst keine Stärke, nur die Richtung. Eine Kreuzung mit VI+ bei 1,02 und VI− bei 1,01 ist deutlich weniger wert als eine mit VI+ bei 1,20 und VI− bei 0,85 (klare Bewegung).
- Systembedingte Verzögerung: 14 Glättungsperioden bedeuten ein Signal, das zwei bis drei Tage nach der tatsächlichen Kurswende eintrifft. Zur Antizipation mit vorlaufenden Indikatoren ergänzen (Divergenzen, Volumen).