ADX — Average Directional Index
Der ADX ist der Referenzindikator für die Trendstärke, unabhängig von der Richtung. Von J. Welles Wilder entwickelt, beantwortet er eine einzige Frage: Trendet der Markt, oder konsolidiert er? Er ist ein unverzichtbarer Filter – eine Trendfolgestrategie auf einem reinen Seitwärtswert erzeugt fortlaufend Fehlsignale.
Definition und Formel
Der ADX wird aus zwei Richtungskomponenten berechnet, +DI (bullischer Directional Indicator) und −DI (bärischer), geglättet über 14 Perioden:
ADX = geglätteter gleitender Durchschnitt des DX über 14 Perioden
Der ADX bewegt sich zwischen 0 und 100. Er sagt nie, ob der Trend bullisch oder bärisch ist – dafür prüft man, ob +DI über oder unter −DI liegt. Der ADX allein ist rein skalar: Liegt überhaupt ein Trend vor?
Den ADX lesen
Klassische Schwellen
- ADX < 20 — kein Trend. Seitwärtsmarkt, Pendelbewegungen. Trendfolgestrategien scheitern; Range-Strategien (Rückkehr zum Mittelwert, Unterstützung/Widerstand) sind vorzuziehen.
- ADX zwischen 20 und 25 — aufkommender Trend. Unsicherheitszone: der Trend kann sich etablieren oder wieder verpuffen. Mit weiteren Bestätigungen beobachten.
- ADX zwischen 25 und 40 — solider Trend. Optimale Zone für Momentum- und Trendfolgestrategien. Rücksetzer bieten Einstiegspunkte.
- ADX > 40 — starker bis extremer Trend. Die aufgelaufene Bewegung ist groß, das Umkehrrisiko steigt. Ein nachgezogener Stopp ist empfehlenswert.
- ADX > 60 — außergewöhnlicher, seltener Trend. Statistisch über wenige Wochen hinaus nicht haltbar.
+DI und −DI: die Richtung
Ist die Stärke durch den ADX bestätigt, liefert das Paar +DI/−DI die Richtung:
- +DI > −DI: der Kaufdruck überwiegt (Aufwärtstrend).
- −DI > +DI: der Verkaufsdruck überwiegt (Abwärtstrend).
- +DI kreuzt −DI von unten nach oben bei steigendem ADX: klassisches Long-Einstiegssignal.
Cash Scanner handelt diese Kreuzungen nicht mechanisch – sie dienen als Kohärenzfilter für andere Signale (RSI, MACD, Divergenzen).
Wie Cash Scanner den ADX nutzt
Der ADX fließt vor allem als Qualitätsfilter für Signale in den Score /100 ein:
- Momentum-Modus: ein ADX > 25 bestätigt, dass das von RSI und MACD erfasste Momentum von einem echten Trend getragen wird und nicht bloß Seitwärtsrauschen ist. Deutlicher Score-Zuschlag.
- Phoenix-Modus: umgekehrt zeigt ein niedriger ADX (< 20) günstigen Boden für Gegenbewegungen zum Mittelwert – Phoenix bewertet solche Bedingungen positiv.
- Richtungskonfluenz: ein Kaufsignal (etwa das Verlassen der überverkauften RSI-Zone) gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn +DI > −DI und ADX > 20 gilt.
Grenzen und typische Fehler
- Der ADX hinkt dem Kurs hinterher: als über 14 Tage geglätteter gleitender Durchschnitt bestätigt er den Trend, statt ihn vorwegzunehmen. Für präzises Einstiegstiming untauglich.
- Fallender ADX ≠ Umkehr: dreht der ADX von einem Hoch nach unten, schwächt sich der Trend ab – er kehrt sich nicht um. Der Kurs kann konsolidieren, ohne die Richtung zu wechseln.
- Fehlsignale in enger Spanne: bei einem ADX < 15 erzeugen die Schwankungen von +DI und −DI laufend Kreuzungen ohne Prognosewert.
- Periode 14 vs. 7 vs. 21: 14 ist das Optimum für Swing-Trading. Kürzer heißt reaktionsschneller, aber verrauschter; länger heißt mehr Verzögerung und ein zu spätes Signal.