KST — Know Sure Thing
Der von Martin Pring entwickelte KST ist ein Mehrhorizont-Momentum-Oszillator. Seine Besonderheit: Er bündelt vier Rate-of-Change-Werte (ROC), die über unterschiedliche Zeitfenster berechnet werden, zu einem kumulierten Momentummaß. Während der RSI das kurzfristige Momentum erfasst und der MACD die Differenz zweier gleitender Durchschnitte liest, beantwortet der KST eine umfassendere Frage: Ist der Trend über alle Horizonte hinweg gleichzeitig bestätigt?
Definition und Formel
Der KST kombiniert vier ROCs (10, 15, 20 und 30 Perioden), die jeweils mit einem einfachen gleitenden Durchschnitt geglättet und anschließend mit steigenden Gewichten summiert werden:
RCMA2 = SMA(ROC(15), 10) × 2
RCMA3 = SMA(ROC(20), 10) × 3
RCMA4 = SMA(ROC(30), 15) × 4
KST = RCMA1 + RCMA2 + RCMA3 + RCMA4
Signal = SMA(KST, 9)
Längere ROCs erhalten ein höheres Gewicht: Der KST betont damit das zugrunde liegende Momentum gegenüber sehr kurzfristigen Bewegungen. Die Werte haben keine feste Spanne – der KST wird relativ zur Nulllinie gelesen (darüber bullisch, darunter bärisch) sowie relativ zu seiner Signallinie (Kreuzung).
Den KST lesen
Niveau und Kreuzungen lesen
- KST > 0 und steigend — positives kumuliertes Momentum über alle Horizonte. Günstige Phase für Long-Strategien.
- KST < 0 und steigend — Verlassen einer negativen Phase, möglicher Beginn einer bullischen Umkehr. Noch zu bestätigen.
- KST > 0 und fallend — das positive Momentum verliert an Kraft. Auf bärische Divergenzen achten.
- KST < 0 und fallend — negatives kumuliertes Momentum, die Verkäufer haben über alle Horizonte die Kontrolle. Phase, die man für Long-Positionen meiden sollte.
- KST kreuzt seine Signallinie von unten nach oben (9 Perioden) — klassisches Kaufsignal, vergleichbar mit der MACD-Kreuzung, aber träger.
- KST kreuzt die Signallinie nach unten — Verkaufs- bzw. Gewinnmitnahmesignal.
Divergenzen zwischen KST und Kurs
Wie RSI oder MACD kann auch der KST vom Kurs abweichen:
- Bullische Divergenz: der Kurs bildet ein tieferes Tief, während der KST ein höheres Tief markiert. Vorlaufendes Signal für eine Gegenbewegung.
- Bärische Divergenz: der Kurs bildet ein höheres Hoch, während der KST ein tieferes Hoch markiert. Zeichen für nachlassendes Momentum, Umkehr wahrscheinlich.
- Die Signalstärke wächst mit dem zeitlichen Abstand zwischen den verglichenen Hochs bzw. Tiefs.
Wie Cash Scanner den KST nutzt
Der KST fließt über zwei Signale in den Score /100 ein:
- Bullischer KST (`kst > kst_signal`) — Score-Bonus, wenn der KST seine Signallinie nach oben kreuzt. Anzeichen für kumuliertes Momentum zugunsten von Long-Positionen. Wird als Abzeichen auf den Chancen angezeigt.
- Momentum-Modus: ein positiver KST oberhalb seiner Signallinie verstärkt den Score, wenn RSI oder MACD ebenfalls ausgerichtet sind. Das ist ein Konsistenzfilter über mehrere Horizonte – der Scanner bevorzugt Werte, deren Momentum über 10, 15, 20 und 30 Tage gleichzeitig bestätigt ist, und nicht nur durch eine isolierte RSI-Spitze.
- Phoenix-Modus: ein KST, der die negative Zone verlässt, ist genau die gesuchte Signatur – Ende der Kapitulation, Beginn der Gegenbewegung. Ein aus dem negativen Bereich steigender KST wird belohnt.
Grenzen und typische Fehler
- Der KST hinkt dem Kurs deutlich hinterher — er bündelt geglättete ROCs, was ein träges Signal ergibt. Für Scalping oder Intraday-Swing untauglich, optimal für Trendfolge auf Wochen- oder Monatsbasis.
- Stark parameterabhängig: (10/15/20/30) ist Prings Optimum auf Tagesbasis. Im Wochenchart mit 5 multiplizieren, im M15-Chart durch 4 teilen. Nicht universell.
- Keine festen Grenzen: anders als beim RSI (0 bis 100) gibt es beim KST kein allgemeingültiges Niveau für überkauft oder überverkauft. Immer mit der eigenen Historie des Wertes vergleichen.
- Fehlkreuzungen in der Konsolidierung: bei einem Wert in der Seitwärtsbewegung pendelt der KST um null und erzeugt wiederholt wertlose Kreuzungen. Mit dem ADX filtern (> 20 zur Bestätigung des Trends) oder mit dem Volumen.