RSI — Relative Strength Index
Der RSI ist ein Momentum-Oszillator, der Geschwindigkeit und Ausmaß der jüngsten Kursveränderungen misst (Standardfenster: 14 Perioden). Er bewegt sich zwischen 0 und 100. Er zählt zu den meistgenutzten technischen Indikatoren, weil er einfache Lesbarkeit mit aussagekräftigen Umkehrsignalen verbindet.
Definition und Formel
Der RSI setzt den Durchschnitt der jüngsten Gewinne ins Verhältnis zum Durchschnitt der jüngsten Verluste:
RS = durchschnittlicher Gewinn über N Perioden / durchschnittlicher Verlust über N Perioden
Das Standardfenster umfasst 14 Perioden (Tage beim täglichen Scan von Cash Scanner). Je kürzer das Fenster, desto schneller die Reaktion – aber desto verrauschter das Signal.
RSI interpretieren
Klassische Schwellen
- RSI > 70 — Überkauft-Zone. Der Wert ist stark gestiegen, eine Abwärtskorrektur wird kurzfristig wahrscheinlicher. Das ist KEIN automatisches Verkaufssignal: Eine Aktie in einem starken Aufwärtstrend kann wochenlang über 70 bleiben.
- RSI < 30 — Überverkauft-Zone. Der Wert ist stark gefallen, eine technische Gegenbewegung wird möglich. Aussagekräftig im Zusammenspiel mit anderen Signalen (Unterstützung, GD200, Divergenz).
- RSI zwischen 40 und 60 — neutrale Zone. Für sich genommen ohne Aussagekraft.
- RSI > 50 — bullische Tendenz (die durchschnittlichen Gewinne überwiegen).
- RSI < 50 — bärische Tendenz (die durchschnittlichen Verluste überwiegen).
RSI-Divergenzen
Das stärkste RSI-Signal ist nicht die 30/70-Schwelle, sondern die Divergenz zwischen Kurs und RSI:
- Bullische Divergenz: der Kurs markiert ein neues Tief, der RSI ein höheres Tief. Zeigt an, dass der Verkaufsdruck nachlässt.
- Bärische Divergenz: der Kurs markiert ein neues Hoch, der RSI ein tieferes Hoch. Zeigt an, dass der Kaufdruck nachlässt.
Cash Scanner erkennt diese Divergenzen automatisch über ein rollierendes Fenster. Einzelheiten im Divergenzen-Leitfaden.
Wie Cash Scanner den RSI nutzt
Der RSI fließt in mehrere Bestandteile des Scores /100 ein:
- Momentum-Modus: ein steigender RSI über 50 hebt den Score (Bestätigung der bullischen Dynamik). Ab RSI > 80 wirkt er dämpfend (Umkehrrisiko).
- Phoenix-Modus: umgekehrt hebt ein RSI < 30, der die überverkaufte Zone verlässt, den Score (früher Einstieg in eine technische Gegenbewegung).
- Bullische RSI-Divergenz: hoch bewertetes Einstiegssignal, besonders im Zusammenspiel mit anderen Signalen (Williams %R, Stochastik, MACD).
Grenzen und typische Fehler
- RSI in starken Trends: eine Aktie in einem beschleunigenden Aufwärtstrend (nach starken Zahlen, M&A) kann wochenlang über 70 notieren. Wer allein auf die RSI-Schwelle hin verkauft, verpasst den Großteil der Bewegung.
- RSI bei geringem Volumen: bei dünnem Handel misst der RSI vor allem Rauschen. Immer mit dem relativen Volumen abgleichen (OBV, Volumenauffälligkeit).
- RSI und absoluter Kurs: zwei Aktien mit identischem RSI können sehr unterschiedlich sein. Der RSI ist relativ zur eigenen jüngsten Historie – keine absolute Qualitätsskala.
- Fenster 14 vs. 7 vs. 21: an den Anlagehorizont anpassen. 14 ist das Optimum für Swing-Trading (Tage bis Wochen). Kürzer bedeutet mehr Rauschen, länger mehr Verzögerung.