Fibonacci-Retracements
Fibonacci-Retracements stützen sich auf eine 800 Jahre alte Zahlenfolge, um eine konkrete Handelsfrage zu beantworten: Wie weit kann ein Kurs zurücksetzen, bevor er seinen Trend wieder aufnimmt? Die zentralen Niveaus (38,2 %, 50 %, 61,8 %, 78,6 %) dienen im Aufwärtstrend als wahrscheinliche Unterstützungszonen, im Abwärtstrend als Widerstände. Es handelt sich nicht um einen strikt prognostischen Indikator, sondern um ein Strukturwerkzeug, das Einstiegspunkte mit kontrolliertem Risiko auf Rücksetzern erkennen hilft.
Definition und Formel
Die Fibonacci-Folge (0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, …) erzeugt den Goldenen Schnitt φ ≈ 1,618. Die Retracement-Niveaus leiten sich aus den Verhältnissen aufeinanderfolgender Glieder ab:
38,2 % = 1 − 0,618 (Komplement)
50 % = empirisches Verhältnis (Dow-Theorie)
78,6 % = √(0,618) (für Extensionen genutzt)
23,6 % = kürzeres Verhältnis (leichte technische Gegenbewegung)
Um Fibonacci-Retracements anzuwenden, bestimmt man ein Swing-Hoch (Punkt A) und ein Swing-Tief (Punkt B) und zeichnet anschließend die Niveaus 23,6/38,2/50/61,8/78,6 % zwischen diese beiden Extreme. Der Kurs reagiert auf diese Niveaus – je nach Richtung des Swings – als Kaufzone (Gegenbewegung) oder als Zone für Gewinnmitnahmen.
Die Retracements lesen
Aufwärtstrend: Rücksetzerzonen
- 23,6 % — flacher Rücksetzer. Sehr starker Trend, kaum jemand nimmt Gewinne mit. Vorsichtiger Einstieg mit engem Stopp.
- 38,2 % — klassisches Retracement eines gesunden Trends. Gute Zone für einen Long-Einstieg im Sinne des Trends.
- 50 % — deutlicher Rücksetzer, aber vereinbar mit einem sich bildenden Trend. Statistisch die am häufigsten getestete Zone.
- 61,8 % („Goldener Schnitt“) — tiefes Retracement. Darüber hinaus steigt das Risiko, dass der Trend dreht. Long-Einstieg nur bei Konfluenz mit weiteren Signalen (RSI verlässt die überverkaufte Zone, Volumen).
- 78,6 % — sehr tiefes Retracement. Häufig der letzte vertretbare Einstiegspunkt, bevor der Trend als gebrochen gilt. Unterschreitet der Kurs 78,6 %, vor einem Engagement die Bestätigung eines neuen Setups abwarten.
Abwärtstrend: Zonen für technische Gegenbewegungen
Im Abwärtstrend wirken dieselben Niveaus als Widerstand. Eine Gegenbewegung, die bei 38,2 % oder 50 % ausläuft, bietet typischerweise einen Punkt für einen Short oder eine Absicherung. Jenseits von 61,8 % ist die Gegenbewegung kein einfacher technischer Rücksetzer mehr, sondern häufig der Beginn einer Trendwende.
Wie Cash Scanner Fibonacci nutzt
Cash Scanner bindet Fibonacci über zwei binäre Indikatoren in den Score /100 ein:
- fib_support — der aktuelle Kurs liegt nahe einem Fibonacci-Niveau, das als Unterstützung wirkt (im Aufwärtstrend ein Retracement zwischen 38,2 % und 61,8 % vom jüngsten Swing-Hoch). Score-Bonus, der Rücksetzer mit günstigem Chance-Risiko-Verhältnis belohnt.
- fib_resistance — der Kurs stößt im Abwärtstrend an ein Fibonacci-Niveau (Gegenbewegung läuft zwischen 38,2 und 61,8 % aus). Warnsignal: keine impulsiven Long-Einstiege.
- Momentum-Modus: ein
fib_supportzusammen mit einem RSI, der die überverkaufte Zone verlässt, und einem bullischen MACD bildet eine hoch bewertete Konfluenz – der Scanner bevorzugt Setups, bei denen Fibonacci einem bullischen Umkehrsignal natürlichen Halt gibt. - Phoenix-Modus: tiefe Retracements (61,8 bis 78,6 %) in Verbindung mit bullischen Divergenzen werden besonders hoch bewertet – hier ist das Risiko (Stopp unter dem Swing-Tief) begrenzt und das Potenzial (Rückkehr zum Swing-Hoch) groß.
Grenzen und typische Fehler
- Die Wahl der Swings A und B ist subjektiv: je nach Zeitrahmen und betrachtetem Fenster bestimmen zwei Händler für denselben Wert unterschiedliche Niveaus. Cash Scanner nutzt standardmäßig 100-Tage-Swings; 20, 50 oder 200 Tage ergeben andere Karten.
- Kein strikt prognostischer Indikator: Fibonacci hat im engeren Sinne keinen statistischen Wert – es wirkt teilweise als selbsterfüllende Prophezeiung, weil viele Händler darauf schauen. Bei wenig beachteten Werten haben die Niveaus weniger Kraft.
- Fehlsignale in der Konsolidierung: bei einem reinen Seitwärtswert liefert das Einzeichnen von Fibonacci zwischen Hoch und Tief der Spanne bedeutungslose Niveaus – ohne Trend gibt es keinen Rücksetzer zu messen.
- Konfluenz ist Pflicht: Fibonacci allein ist zu subjektiv, um als Einstiegssignal zu dienen. Systematisch mit RSI, MACD, Volumen oder einem anderen objektiven Halt kombinieren (gleitender Durchschnitt, vorherige horizontale Unterstützung).