Williams %R — Oszillator von Larry Williams
Williams %R ist ein Momentum-Oszillator im Bereich zwischen −100 und 0, der die Lage des Schlusskurses relativ zum Hoch des Fensters misst. In den 1970er-Jahren von Larry Williams entwickelt, ist er gegenüber der Stochastik invertiert: 0 bedeutet überkauft, −100 überverkauft. Sein besonderer Nutzen liegt in der höheren Reaktionsgeschwindigkeit bei frühen Umkehrungen – zum Preis von mehr Rauschen.
Definition und Formel
Die Formel ist die Umkehrung des stochastischen %K, abgebildet auf [−100, 0]:
Standardfenster: 14 Perioden
Die invertierte Skala verwirrt Einsteiger häufig: Je näher der Wert an 0 liegt, desto überkaufter ist der Titel; je näher an −100, desto überverkaufter. Gedanklich kann man 100 addieren, um wieder auf die Stochastik-Skala [0, 100] zu kommen.
Williams %R lesen
Klassische Schwellen
- %R > -20 (zwischen −20 und 0) — Überkauft-Zone. Der Schlusskurs liegt im oberen Fünftel der jüngsten Spanne. Kurzfristiges Umkehrrisiko – in einem anhaltenden Aufwärtstrend kann %R aber wochenlang an 0 kleben.
- %R < -80 (zwischen −80 und −100) — Überverkauft-Zone. Der Schlusskurs liegt im unteren Fünftel der jüngsten Spanne. Eine technische Gegenbewegung ist wahrscheinlich, besonders im Zusammenspiel mit einer Unterstützung oder Divergenz.
- %R zwischen −20 und −80 — neutrale Zone. Für sich genommen ohne Aussagekraft; auf die Dynamik beim Verlassen der Extreme achten.
- Verlassen der überverkauften Zone (%R steigt über −80) — frühes Kaufsignal, schneller als RSI oder Stochastik, aber verrauschter.
- Verlassen der überkauften Zone (%R fällt unter −20) — frühes Warnsignal.
Unterschied zur Stochastik
Williams %R und Stochastik messen ein ähnliches Phänomen, unterscheiden sich aber in zwei wesentlichen Punkten:
- Keine Glättung ab Werk: Williams %R ist ein rohes, ungeglättetes %K. Er reagiert schneller, sendet aber mehr Fehlsignale als eine langsame Stochastik.
- Keine zweite Linie: zu %R gehört kein %D, also gibt es kein Kreuzungssignal. Das Signal entsteht allein aus dem Eintritt in die Extremzonen und dem Verlassen derselben.
Diese Kombination macht Williams %R zu einem Frühindikator, der geglättete Oszillatoren sinnvoll ergänzt, sie aber nicht ersetzt. Den direkten Vergleich liefert der Stochastik-Leitfaden.
Wie Cash Scanner Williams %R nutzt
Williams %R fließt vor allem als Frühindikator für das Timing in den Score /100 ein:
- Phoenix-Modus: steigt %R aus dem Bereich unter −80 wieder über die Schwelle, hebt das den Score als erstes Anzeichen für die Erschöpfung der Verkäufer – noch vor der Bestätigung durch RSI und Stochastik.
- Divergenz-Konfluenz: Williams %R ist einer der vier Oszillatoren, die für das Konfluenz-Abzeichen geprüft werden (neben RSI, MACD und Stochastik). Eine %R-Divergenz zählt als gültiges Signal.
- Momentum-Modus: ein %R nahe 0 in einem Trend mit ADX > 25 bestätigt die Stärke; solange der ADX nicht dreht, ist das kein Umkehrsignal.
Grenzen und typische Fehler
- Überempfindlich gegenüber Rauschen: ohne Glättung reagiert %R auf jeden Tick. In dünnen Märkten sind Fehlsignale häufig. Cash Scanner löst nie einen Alarm allein aufgrund eines isolierten %R aus.
- Irreführende invertierte Skala: −20 für einen „niedrigen“ Wert zu halten, ist der häufigste Auslegungsfehler. Tatsächlich ist −20 ein hoher Wert (überkauft).
- Sättigung bei 0 oder −100: in einem sehr starken Trend kann %R lange an einem Extrem kleben. Für sich genommen kein Umkehrsignal.
- Fenster 14 vs. 10 vs. 21: Williams empfahl ursprünglich die reaktionsschnelleren 10 Perioden. Cash Scanner nutzt 14, um mit RSI und Stochastik konsistent zu bleiben.